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Billy Strayhorn (1915-1967)
Wenige Komponisten wurden zu Lebzeiten so zu Unrecht übersehen wie Billy Strayhorn. Wenn er überhaupt genannt wurde, dann meistens als Fußnote in der glorreichen Karriere eines anderen schwarzen Komponisten, in dessen Schatten er arbeitete: Duke Ellington. Obwohl er nur als Ellingtons Assistent galt, komponierte und arrangierte Strayhorn in Wirklichkeit einen wichtigen Teil des Repertoires von Ellingtons Orchester.
Strayhorns harmonischer und melodischer Einfallsreichtum sowie seine Fähigkeiten in Orchestrierung und der formalen Komposition waren außergewöhnlich. Er vermengte westeuropäische klassische Modelle mit dem amerikanischen Jazzstil, gleichzeitig war seine Musik tief in seinem afrikanisch-amerikanischen Hintergrund verwurzelt. Strayhorns Musik war Ausdruck seines komplexen Gefühlslebens, viele seiner Stücken spiegeln seine stille, tiefe Persönlichkeit wieder.
William Thomas Strayhorn wurde in Dayton, Ohio geboren und wuchs in Pittsburgh auf. Schon früh lernte er Klavier spielen. Seine Leidenschaft für klassische Klaviermusik und sein Interesse an Kunst und Literatur waren ungewöhnlich für jemanden, der in einer der ärmsten Gegenden der Stahlstadt lebte. Er nahm Klavier- und Theorieunterricht und wurde in seinen letzten Schuljahren zu einem der Solisten des Senior Orchesters, mit dem er unter anderem Pianokonzerte gab. Nach seinem Schulabschluss wurde ihm klar, dass eine Karriere als schwarzer klassischer Pianist nicht einfach sein würde, also wandte er sich einer Musik zu, die sozial akzeptiert wurde: Theatermusik und Jazz.
Schon als Teenager hatte er zu komponieren begonnen. Eines seiner bekanntesten Stücke aus dieser Zeit ist Lush Life, ein durchkomponiertes Lied mit einem auffallend erwachsenen Text. Lush Life zeigte, dass Strayhorn das Talent besaß, “Melodie, Text und Harmonie zu verheiraten”, wie sein späterer Arbeitgeber Ellington sagte; ein Vorgeschmack auf seine späteren Arbeiten.
Mit seinem Trio, den Mad Hatters, das auf der Besetzung und Musik von Benny Goodmans Gruppe basierte, schlug Strayhorn ab 1937 tatsächlich die Richtung des Jazz ein. Jazz, den er im Radio oder auf Platten hörte, fand so den Weg in sein eigenes Spielen und Komponieren. Er hatte Gelegenheit für einige so genannte “territory bands” (Orchester, die lokal aktiv waren) Musik zu arrangieren, sodass er, als er sich 1939 bei Ellington anschloss, ein erfahrener Komponist und Arrangeur war.
Obwohl seine Aufgaben zu Anfang unklar waren, war Strayhorn innerhalb eines Jahres ein vollwertiger Kompagnon Ellingtons, der die Verantwortlichkeit für die “small units” (Gruppen aus dem Orchester, die unter einem anderen Namen Platten aufnahmen) und alle Gesangsarrangements zugeteilt bekam. Und schon schnell, wenn auch anonym, leistete Strayhorn wichtige Beiträge zum Repertoire. Erst 1941 wurde er beim großen Publikum bekannt, als das Orchester Kompositionen von ihm, wie Take The ‘A’Train, Chelsea Bridge und Raincheck, im Studio aufnahm. In den darauf folgenden Jahren schrieb Strayhorn zahllose Kompositionen und Arrangements für das Orchester und arbeitete zusammen mit Ellington an Theater- und Filmmusiken und den sogenannten Suiten, darunter Such Sweet Thunder und die Far-East Suite.
Neben seiner Arbeit für das Ellington Orchester schrieb Strayhorn für eine Vielzahl von verschiedenen Ensembles und Gelegenheiten. In seinen letzten Werken, die er schrieb während er an Krebs im Endstadium litt, kehrte er zu einem eher klassischen Stil zurück. Im Gegensatz zu seinen anderen Stücken, lassen seine späten Kompositionen wie Blood Count und Suite For The Duo die Lieblichkeit seiner früheren Arbeiten vermissen. In diesen Werken scheint die Enttäuschung eines zu jung sterbenden Komponisten durchzuklingen, der nie die Anerkennung bekommen hatte, die er verdiente.
Erst nach seinem frühen Tod stellte sich heraus, wie viele Arbeiten von Strayhorn nie aufgeführt worden waren. Hunderte von Kompositionen und Arrangements, häufig von außergewöhnlicher Qualität, blieben unveröffentlicht. Das Dutch Jazz Orchestra hat eine Auswahl daraus auf vier CDs aufgenommen.
© Dutch Jazz Orchestra Billy Strayhorn - Dutch Jazz Orchestra CDs Vielen Dank an Gregory and Thelma Morris,
und die Mitarbeiter des The Archives Center, Smithsonian Institution.
Literatur

David Hajdu. Lush Life: A Biography of Billy Strayhorn.
New York: Farrar, Strauss & Giroux, 1996.

Walter van de Leur. Something to Live For: The Music of Billy Strayhorn.
New York: Oxford University Press, 2002.
Noten
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