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Mary Lou Williams (1910-1981)

Mary Lou Williams wurde als Mary Elfrieda Scruggs in Atlanta, Georgia, geboren. Sie wuchs in Pittsburgh, Pennsylvania, auf, der Stadt, aus der auch andere bekannte Jazzmusiker stammten, so etwa Errol Garner, Earl Hines, Billy Eckstine und Billy Strayhorn. Sie galt als Wunderkind, das schon in jungem Alter in der Kirche ihrer Gemeinde Harmonium spielen lernte. Vom Harmonium zum Klavier zu wechseln war ein kleiner Schritt für die junge Mary, und schon bald verdiente sie Geld, indem sie kleine Auftritte in der Nachbarschaft annahm. Doch ihre Jugend in dem durch die Metallindustrie geprägten Pittsburgh war schwierig, was Mary früh erwachsen werden ließ. Nach einigen ersten Erfahrungen bei Boise De Legg and His Hottentots, schloss sie sich dem Orchester von Buzzin’ Harris and His Hits ’n Bits an, um ihr Elternhaus für immer zu verlassen. Mit fünfzehn Jahren war sie professionelle Musikerin.

In der Band von Buzzin’ Harris traf Mary den Alt- und Baritonsaxophonisten John Overton Williams, den sie 1926 heiratete. Das Paar spielte in verschiedenen Orchestern, tourte durch Theater der schwarzen Theater Owners Booking Agency und traf diverse berühmte Musiker. Zwei Jahre nach der Hochzeit bekam John Williams Arbeit in Terrence Holders Black Clouds of Joy, während Mary Lou überwiegend selbstständig tätig war. 1929 übernahm der Trompeter Andy Kirk die Band von Holder, und innerhalb eines halben Jahres war Mary Lou seine feste Pianistin. Der Erfolg dieses Orchesters, das als Andy Kirk and His Twelve Clouds of Joy bekannt wurde, war ihn hohem Maße ihren subtil swingenden Arrangements und ihren intelligenten Kompositionen zu verdanken, wie etwa Ghost of Love, Walkin’ and Swingin’ und What’s Your Story, Morning Glory, sowie ihrer fantastischen Arbeit als Solistin.

1942 verließ Mary Lou Kirks Orchester, teils aufgrund einer Meinungsverschiedenheit bezüglich der Copyrights, teils aus Frustration: Die “girl singers”, klagte sie, würden oft besser bezahlt als sie selbst. Die Kündigung bei Kirk hatte bleibende Folgen für ihre Karriere als Komponistin und Arrangeurin. Obwohl sie jetzt ab und an für andere bekannte Bands schrieb, hatte Mary von nun an kein festes Orchester mehr, für das sie arbeiten konnte.

Als ihr zweiter Ehemann Harold “Shorty” Baker einen Job in Duke Ellingtons Orchester fand, bekam Mary Lou die Gelegenheit, für dieses berühmte Ensemble zu schreiben. Sie hat mit Sicherheit siebzehn Arrangements für Ellington angefertigt, aber insgesamt sind es wahrscheinlich circa fünfzig. Darunter ist eine Bearbeitung von Irving Berlins Blue Skies (ihr berühmtestes Arrangement, bekannt geworden als Trumpet-No-End), sowie Arrangements von Standards und populären Songs. Gleichzeitig arbeitete sie an ihrer ambitionierten zwölfteiligen Zodiac Suite (mit einem Teil für jedes Sternzeichen), die sie 1945 als Solistin, beim neu gegründeten Label Asch Records aufnahm.

1953, nach mehr als 25 Jahren im Musikgeschäft, veränderte Mary Lou Williams auf radikale und dramatische Weise ihr Leben. Mitten in einer Aufführung im legendären Le Boeuf sur le Toit in Paris, hörte sie auf zu spielen und verließ den Club. Sie nahm den katholischen Glauben an und widmete den größten Teil ihrer Zeit religiöser und wohltätiger Arbeit. Jahrelang weigerte sie sich aufzutreten und verbrachte ihre Tage mit Gebeten und persönlicher Aufopferung. Aber ihre engsten Freunden, darunter Dizzy und Lorraine Gillespie, ermutigten sie, wieder ins Musikgeschäft zurückzukehren, bis sie 1957 zustimmte, mit Dizzys Bigband auf dem Newport Jazz Festival zu spielen. Von diesem Moment an blieb sie aktive Musikerin, wobei sie ihre wohltätige Arbeit weiterführte (sie betrieb ein kleines Gebrauchtwarengeschäft, das unter anderem Kleidung für Musiker verkaufte). Daneben schrieb sie religiöse Musik für Jazzorchester und Chor (unter anderem Black Christ of the Andes und Mary Lou’s Mass) und verbrachte viel Zeit mit Unterrichten. Von 1977 bis zu ihrem Tod 1981 unterrichtete sie an der Duke University, in der das "student center", Mary Lou zu Ehren, ihren Namen trägt.

Mary Lou Williams hat ein wichtiges und vielseitiges Repertoire an Jazzkompositionen und -arrangements hinterlassen, die für unterschiedliche Ensembles geschrieben wurden. Da die verschiedenen Gelegenheiten stets nach anderer Musik verlangten, entwickelte sie eine große musikalische Anpassungsfähigkeit. “Nobody can put a style on me”, sagte sie oft. Die frühen Arbeiten für Andy Kirks Twelve Clouds of Joy mussten die Liebe zum orchestralen Jazz in ihr geweckt haben, denn ihr ganzes Leben suchte sie immer wieder Jazzorchester, für die sie schreiben konnte.

Das Dutch Jazz Orchestra hat eine Anzahl der noch nie zuvor aufgenommener Stücke von Mary Lou Williams auf CD gebracht.

© Dutch Jazz Orchestra

Mary Lou Williams - Dutch Jazz Orchestra CDs

Besonderen Dank an

Fr. Peter O’Brien,

The Mary Lou Williams Foundation  and

the Rutgers Institute of Jazz Studies

Literatur

PictboekDahl

Linda Dahl. Morning Glory: A Biography of Mary Lou Williams.

Berkeley: University of California Press, 2001.

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PictboekKernodle

Tammy Kernodle. Soul on Soul: The Life and Music of Mary Lou Williams.

Boston: Northeastern University Press, 2004.

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Noten

Archives Center, Smithsonian Institution

Rutgers Institute of Jazz Studies

Andere interesannte Links

Mary Lou Williams Women in Jazz Festival

Dave Ratcliffe’s Williams site

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