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JazzPodium review 'The Dutch Jazz Orchestra plays the music of Billy Strayhorn'     ReviewsJAZZPODIUM, Mei 2002 / 77

The Dutch Jazz Orchestra

Jerry van Rooyen

Portait Of A Silk Thread: Newly Discovered Works Of Billy Strayhorn
Challenge Records CHR 70089

You Go To My Head: Strayhorn And Standards
Challenge Records CHR 70090

So This Is Love: More Newly Discovered Works Of Billy Strayhorn
Challenge Records CHR 70091

In der Zeit zwischen 1938 und seinem Tod im Jahr 1967 hat Billy Strayhorn, der Ausnahmekomponist und -arrangeur, der auch noch ein recht passabler Pianist war, für das Duke-EllingtonRepertoire über 200 Stücke beigetragen. Diese Aussage des New Grove Dictionary geht vermutlich nur von den bisher bekannten Titeln aus, die Ellington auch in irgendeiner Form zur Aufführung gebracht hat. Dass das Strayhorn-Repertoire wesentlich grösser war, hat seit einigen Jahren eine Gemeinschaftsproduktion des Dutch Jazz Orchestra unter der Leitung von Jerry van Rooyen, von Walter van de Leur, der die Forschungsarbeit geleistet hat, dem Niederländischen Rundfunk und dem Niederländischen Label Challenge zu Tage gebracht. Ziel des Unternehmens ist, bisher nicht bekannte, da nicht veröffentlichte bzw. gespielte Kompositionen und Arrangements von Strayhorn zur Aufführung zu bringen und auf einer CD-Produktion zu dokumentieren.

Drei von vier geplanten CDs liegen inzwischen vor, eine weitere soll noch in diesem Jahr herauskommen. Vorgestellt hat das 1983 gegründete und von Jerry van Rooyen perfekt in Szene gesetzte Orchester das Projekt bereits auf der internationalen Duke Ellington Konferenz in Pittsburgh, und im Jahr 1995 erschten bereits eine erste CD mit “Newly Discovered Works Of Billy Strayhorn”. Das Verdienst dieser neuen, demnächst vierteiligen Produktion ist die Zusammenfassung dieser Forschungs- und exemplarischen Einspielungsergebnisse im Gesamtzusammenhang. Die oft gestellte Grundsatzfrage, war hat eigentlich wen mehr beeinflusst, Strayhorn Ellington oder umgekehrt, diese Frage kommt beim Hören der drei CDs unweigerlich. Die Eleganz der Ellingtonischen Musik entsteht schon mit den ersten Tönen, die typische Satzarbeit bis hin zu unverwechselbaren Soli eines Johnny Hodges, hier von Alfred Beltmann hervorragend dargestellt. Nicht überrascht dabei, dass Ack van Rooyen mit seiner langen Erfahrung ein sehr eigenes Profil auf dem Flügelhorn hinterlässt. Aus der Schar der Solisten ragen weiterhin der Pianist Rob van Bavel, der Trompeter Mike Booth, Toon Roos, Tenorsaxophon, und Ilja Reijngoud, Posaune, in besonderer Weise hervor.

“Portrait Of A Silk Thread” bringt zwölf Kompositionen, von denen acht noch nie aufgeführt wurden und hier eine Weltpremiere erleben. Die anderen Titel, “Tonk”, “Wounded love”, “Lana Turner” und “Lament for an orchid” präsentieren die ersten Fassungen, die zum Tell sehr viel früher als die dann später von Ellington gespielten Versionen komponiert wurden. Diese erste CD enthält auch eine Reihe von Kompositionen aus den letzten Jahren Strayhorns, so zum Beispiel “Bagatelle”, “Love has passed me by” oder “The hues”, Titel die zeigen, dass er seine Konzeption immer wieder modernisiert hat.

Teil 2, “You Go To My Head”, befasst sich mit bekannten Standards wie “Autumn in New York”, The man I love” oder “Skylark”, die wiederum zum überwiegenden Teil, soweit bekannt, zumindest noch nie auf Schallplatte aufgenommen wurden, so die Auskunft von Walter van de Leur, dem Bearbeiter des Projekts. So spielt das Dutch Jazz Orchestra “Where or when” nicht in der rein instrumentalen Fassung wie Ellington, sondern in der originalen Gesangs-Version mit Marjorie Barnes, der es gelingt, den Vokalklang der 40er und 50er Jahre wieder entstehen zu lassen. “Lover man” erscheint in einer sehr viel längeren Fassung, als die von Ellington gespielte. Gerade die Standards bringen doch einige Klarheit in die Eingangsfrage, wer wen beeinflusst hat. Die hier zu hörenden Beispiele der Strayhornischen Big-Band-Kunst strahlen sehr viel Eleganz und Gelassenheit aus, sind in hohem Masse “sophisticated”. Den für Ellington bei aller von ihm zur Schau getragenen Uissigkeit typischen Schwung durch winzige Piano Breaks oder aussergewöhnliche Soli seiner grossen Partner waren dann offensichtlich die grösseren oder kleineren Zugaben, die aus dem sophisticated Billy Strayhorn den elegant schwungvollen Meister Ellington gemacht haben.

Der dritte Teil, “So This Is Love”, beginnt mit der berühmten Filmmusik “Anatomy of a murder” und bringt, von “Remember”, von Irving Berlin, abgesehen, wiederum ausschliesslich Strayhorn-Kompositionen, in dieser Form noch nie prtisentiert, unter anderem auch das schon 1935 entstandene “Lonely Again”, das zu den beiden gehörte, die Strayhorn bei dem ersten Treffen im Jahr 1938 Ellington anbot, hier in der 38er Fassung zu hören. Unter anderem Namen ist der Titel als “Lush life” bekannt. Mit einem Piano-Solo-Titel, einem an die romantische Klassik angelehnten “Valse” geht die bemerkenswerte dreiteilige Produktion zu Ende. Sowohl Ellingtonw ie Strayhorn-Fans sollten sie sich nicht entgehen lassen. Walter van de Leur und Jerry van Rooyen bedanken sich auf ihre Art mit zwei eigenen Arrangements, den einzigen nicht von Strayhorn stammenden, von “The Heus” beziehungsweise “So this is love” bei dem Meister. Es erscheint angemessen, zum Schluss Ellington selbst zu Wort kommen zu lassen mit einer Würdigung seines langjährigen Partners: “He was the biggest human being who ever lived, a man with the greatest courage, the most majestic artistic stature, a highly skilled musician whose impeccable taste commanded the respect of musicians and the admiration of all listeners” (Quelle: The Encyclopedia of Jazz in the 70s).

Hans-Jürgen von Osterhausen

strayhorn
CdPortraitofaSilkThread2
CdYouGoToMyHead
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